Entscheidung freie Schule oder staatliche Schule: Wieso mein zweites Kind in den staatlichen Kindergarten geht.

Unser Erstgeborener besucht eine freie, demokratische Schule. Nun wird auch unser zweiter Sohn im Sommer schulpflichtig und kommt in den Kindergarten. Wieso haben wir uns für den staatlichen Kindergarten entschieden und nicht für die freie, demokratische Schule? 

Vorweg: Unter dem Begriff „Kindergarten“ versteht man in der Schweiz nicht dasselbe wie in Deutschland. Gegenwärtig gehen in den meisten Kantonen der Schweiz die Kinder im fünften und sechsten Lebensjahr in den Kindergarten, also vor der Einschulung. Typisch ist ein Pensum von ca. vier Halbtagen im ersten Jahr und sechs Halbtagen im Zweiten. Es besteht eine Kindergartenpflicht.

Wieso also geht unser zweites Kind nun nicht in die selbe freie demokratische Schule wie unser Erstgeborener?

Stehen wir nicht mehr hinter dem Schulkonzept der freien demokratischen Schule? Stellen wir gar das freie Lernen in Frage? Bereuen wir unsere Schulwahl und wollen es beim zweiten Kind „besser“ machen? Nein, natürlich nicht! Unsere Entscheidung hat andere Gründe und Ja, natürlich wird auch unser zweiter Sohn für die Einschulung an die freie, demokratische Schule wechseln.

Keine Schule ist Perfekt – Das ist wohl schlicht unmöglich und auch die staatliche Schule hat ihre Vorteile. Kurz zusammengefasst sind diese aus meiner Sicht:

  • Kurzer Schulweg der selbständig zurückgelegt werden kann.
  • Keine Schulkosten.
  • Die Schulfreunde leben in der nahen Umgebung.

Die Vorteile der freien demokratischen Schule unseres Sohnes überwiegen aus unserer Sicht jedoch bei weitem diese Aspekte, so dass es für uns ganz klar ist, dass wir die richtige Schule für unsere Kinder gewählt haben. (Trotz der Schulkosten, trotz des weiteren Schulweges und trotz der Tatsache, dass die Schulfreunde alle aus anderen Dörfern stammen.) Doch das ist eine grundsätzliche Entscheidung die jede Familie für sich selber trifft. Wir, für unseren Teil, fühlen uns mit unserer Schulwahl goldrichtig und ich bin immer wieder dankbar dafür, dass wir die Möglichkeit haben, unseren Kindern eine solche Schule zu ermöglichen!

Trotzdem geht unser zweiter Sohn nun in im Sommer in den staatlichen Kindergarten. Verkehrte Welt? Nein.

Freunde im eigenen Dorf haben

Unser Hauptgrund, wieso wir unseren Sohn in den staatlichen Kindergarten schicken ist, weil wir uns wünschen, dass auch er in unserem Dorf Freunde hat. Die freie demokratische Schule ist ausserhalb unseres Dorfes und die Schüler kommen aus grösserem Umkreis. Uns ist es jedoch wichtig, dass unsere Kinder die anderen Kinder aus unserem Dorf kennen und sich Freundschaften aus der näheren Umgebung entwickeln können. Mein Sohn kennt bereits einige Kinder die mit ihm in den Kindergarten gehen werden und wir möchten ihm die Gelegenheit geben, einen eigenen Freundeskreis aufzubauen. Freunde mit denen er sich auch mal spontan treffen kann, ohne dass ein Fahrdienst in ein umliegendes Dorf dafür nötig ist. Dies einfach weil wir hier verwurzelt sind, aktiv am Dorfgeschehen teilnehmen und weil wir uns wünschen, dass unsere Kinder sich (möglichst) nicht als Aussenseiter fühlen.

Das Aussenseiter-Thema lässt sich wohl nicht ganz vermeiden, denn wenn man irgendwo dann später nicht mehr dabei ist, ist man zwangsläufig ein Aussenseiter. Unser erster Sohn ist aktuell jedoch in verschiedenen Dorfvereinen aktiv und trifft dort seine Freunde. Er empfindet sich nicht als Aussenseiter. Zudem kommt ja in der freien Schule zusätzlich ein neuer, grosser Freundeskreis dazu.

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Gemeinsamer Schulweg mit Freunden aus dem Dorf. Ein Vorteil der staatlichen Schule.

Der Kindergarten in unserem Dorf ist okay

Das alles würde nicht funktionieren, wenn der Kindergarten bei uns im Dorf überhaupt nicht unseren Vorstellungen entsprechen würde. Weil aber bereits unser erster Sohn hier in den Kindergarten gegangen ist, geben wir auch unseren zweiten Sohn mit einem guten Gefühl dorthin. Es gibt viel Zeit für freies Spiel, es ist eben noch Kindergarten und noch nicht „Schule“, die Kindergärtnerinnen sind erfahren und liebevoll und der ganze Rahmen stimmt für uns so. Im Unterschied zu der Kindergartenklasse unseres ersten Sohnes, wird es dieses Jahr eine sehr grosse Kindergartenklasse werden. Wir werden sehen, wie unser Zweitgeborener das findet.

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Kindergarten: Schön im Kreis sitzen.  Image by tolmacho on Pixabay

Schulkosten

Es ist nicht wegzudiskutieren: Die freie demokratische Schule ist eine Privatschule und kostet somit Schulgeld. Logischerweise kosten zwei Schulkinder mehr als Eines. Unsere Schule hat zwar sehr humane Preise für Geschwisterkinder, aber trotzdem sparen wir uns zwei Jahre das Schulgeld für den zweiten Sohn. Dies ist aber nicht unser Hauptargument, denn wenn der staatliche Kindergarten wider Erwarten, aus irgendwelchen Gründen für unseren Sohn nicht stimmig wäre, sind wir jederzeit bereit, einen Wechsel zu machen und die Schulkosten dafür zu übernehmen.

Fahrgemeinschaft

Wir haben eine tolle Fahrgemeinschaft mit zwei anderen Familien, so dass wir unseren Sohn nicht täglich selber chauffieren müssen. Sobald jedoch noch ein Kind mehr mitfahren muss, ist die Kapazitätsgrenze bei den anderen zwei Autos erreicht. Das heisst, wir müssten eine andere Lösung suchen. Dieses Problem wird sich uns dann halt in zwei Jahren stellen, aber wer weiss, was bis dahin noch alles passieren wird? Die Schule wird dann an einem anderen Standort sein, (der hoffentlich eine gute ÖV Verbindung zu unserem Wohnort haben wird) und dann sieht vielleicht alles schon wieder anders aus.

Strukturierterer, geschützterer Rahmen im staatlichen Kindergarten

Die freie demokratische Schule am jetzigen Standort ist an ihren Kapazitätsgrenzen. Ein neuer, grösserer Standort wird seit längerem gesucht. Manchmal geht es recht turbulent in der Schule zu und her, weil einfach zu wenig Platz vorhanden ist. Einige Kinder möchten in Ruhe etwas machen, andere wollen wild Spielen. Es hat grössere und kleinere Kinder. Mit gerade vier Jahren sind die Kindergartenkinder ja doch noch sehr klein und lassen sich je nach Charakter auch schnell mal einschüchtern, wenn zum Beispiel die grösseren Jungs ihre „schwachen fünf Minuten“ haben.

Ich bin ich überzeugt, dass mein Sohn auch in der freien Schule eine tolle Kindergartenzeit verbringen würde. Uns erscheint die Kombination aus Kindergarten im Dorf und Schulzeit in der Freien demokratischen Schule zum jetzigen Zeitpunkt aber am sinnvollsten, so dass wir uns für diesen Weg entschieden haben.

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Kindergartengarderobe. Jedes Kind hat sein Plätzchen. Etwas das in der freien Schule aktuell leider aus Platzgründen unmöglich ist.

Sie werden so schnell gross…

Ich bin sehr gespannt wie sich mein Sohn als Kindergartenkind fühlen wird. Die schöne Zeit, in der er noch sehr auf uns Eltern fixiert ist, wird sich bald wandeln und auch er wird riesige Sprünge in Richtung Selbständigkeit machen. Mein Mamaherz lacht und weint zugleich. Aber auch hier werde ich loslassen und ihn seinen Weg gehen lassen.

Kommen eure Kinder auch in den Kindergarten? Wie geht es euch damit? Für welche Schulform habt ihr euch entschieden?

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