Warum ich jetzt loslasse!

Gerne hätte ich anfangs Jahr einen Artikel darüber geschrieben, wie es mit dreimalfrei.ch im neuen Jahr weitergehen soll. Welche Pläne und Wünsche habe ich? Doch ich tat mich schwer damit konkret zu werden und hinterfragte alles. Das Bloggen ist für mich neu und es ist gelegentlich schwierig. Nicht das Schreiben, sondern das Aushalten. Womit wir beim Thema wären: Ich muss lernen zu Vertrauen und Loszulassen – Sowohl beim Bloggen als auch ganz grundsätzlich!

Ich muss aushalten, dass sobald ich den „Veröffentlichen“ – Button gedrückt habe, sich alle Welt eine Meinung darüber machen kann, was ich geschrieben habe, ohne dass ich jemals ein Feedback dazu erhalte. Ich sehe, dass beispielsweise 400 Leute den Artikel gelesen haben aber erhalte „nur“ zwei Rückmeldungen in Form eines Kommentars oder einer Nachricht. Haben alle anderen den Text schlecht gefunden? Aus welchen Motiven wurde er gelesen? Welche Vorkenntnisse brachte der Leser mit? Hat ihm der Artikel gefallen oder gar einen Mehrwert gebracht?

Beim Bloggen gibt man sehr viel von sich preis und ich investiere schon ein Bitzeli Zeit in meine Texte. Im Grossen und Ganzen bekomme ich wenig zurück. Einerseits natürlich kein Geld, da ich als unbekannte „Svea .. Wer??“ mit den Artikeln ja nichts verdiene, aber auch kein Feedback. Es ist eine ziemlich einseitige Beziehung. Ich sehe zwar anhand meiner Besucherzahlen, dass das Interesse am Blog zunimmt, aber trotzdem ist es für mich schwierig Schlüsse zu ziehen. Das ist bisweilen etwas demotivierend… nur ein ganz kleines Bisschen. du_zeigefinger

An dieser Stelle also: Hallo, du da! Schön bist du da. Lass doch mal einen Kommentar hier, weshalb du mich eigentlich liest. Wer bist du? Gefällt es dir hier? Wovon möchtest du hier mehr lesen und wovon weniger? Was denkst du, kann ich verbessern? Hat dir der Artikel was gebracht?

Ich freue mich über konstruktives Feedback und es interessiert mich, aus welchen Gründen meine Texte gelesen werden – Ehrlich! Schliesslich will ich mich verbessern und entwickeln.

Nun gut, ich schweife ab.

Es bringt mir nichts, zu sehr darüber zu grübeln. Ich spüre dass es für mich noch nicht ganz stimmig ist, dieses Bloggen. Werde ich deshalb damit aufhören? Oder werde ich einen anderen Weg suchen um Schreiben zu können? Oder doch weiter machen?

Ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung. Und ich nehme mir genau nichts vor diesbezüglich. Ich – lasse – es – los !

Das Schreiben gefällt mir. Ich liebe es! Es wird sich entwickeln, verändern in welche Richtung auch immer. Ich setze mich nicht unter Druck und lasse es auf mich zu kommen. Ideen hab ich viele, aber ob ich diese werde umsetzten können … ? Schliesslich habe ich „nebenbei“ noch einen Alltag, drei Kinder, einen Hund, Freundschaften und eine Beziehung, die ich pflegen will.

Das Loslassen

Ausnahmen bestätigen die Regel: Ich habe interessante Rückmeldungen zu meinem letzten Artikel bekommen. Vier Monate freie Schule – Wie läuft es eigentlich so? Ich müsse lernen loszulassen und darauf zu vertrauen, dass mein Kind seine Probleme in der Schule selbst lösen kann. Dass man an Problemen auch wachsen kann – womöglich sogar mehr, als wenn immer alles reibungslos laufen würde.

luftballons_loslassen

Ich freute mich über diese Kommentare. Leute welche meinen Text gelesen haben und mir ihr Feedback geben. Und sofort ist das Bloggen für einen Moment lang doch ein Gewinn! Die Erfahrung von anderen Eltern mit Kindern an freien Schulen zu lesen hilft, mich nicht ganz einsam auf weiter Flur zu fühlen, sondern gesehen und verstanden zu werden. Es brauchte nur dieses kurze Feedback und mir war klar, was ich eigentlich vorher schon wusste, aber wohl verdrängt habe. LOSLASSEN, genau!

So wie ich in Punkto Schulstoff in mein Kind vertraue (da klappt es interessanterweise bestens), muss ich es auch in allen anderen Dingen. Meine Kinder werden das lernen, was sie fürs Leben brauchen und sie gehen dafür womöglich nicht den gradlinigsten Weg, sondern ihren eigenen Weg. Wir als Eltern müssen nur vertrauen. Ok, ein klein wenig Mithelfen von Zeit zu Zeit, ist bestimmt erlaubt, aber grundsätzlich gilt: Wenn ich vertraue und loslasse, dann kommt es gut! Diese Erfahrung machte ich bestimmt schon Tausend Mal.

Loslassen – Nicht nur für Freilerner ein Thema

Ich bin überzeugt, dass das Thema Loslassen alle Eltern betrifft. Die Kinder werden grösser, selbständiger und plötzlich haben wir keinen Einfluss mehr darauf mit wem sie Kontakt haben, welche Erfahrungen sie machen, was sie essen, oder ob sie sich genug warm anziehen. Wir können sie nicht mehr vor allen negativen Einflüssen bewahren oder ihnen jederzeit hilfreich zur Seite stehen.

Mir fällt das Loslassen schwer, das gebe ich ehrlich zu. Ich bin in vielen Dingen eine Perfektionistin und wie alle Eltern möchte ich, dass es meinen Kindern stets gut geht. Auszuhalten, dass es manchmal nicht optimal ist (aus meiner Sicht), fällt mir schwer. Mein ältester Sohn ist nun 7 Jahre alt und kommt in ein Alter in dem er beginnt, seine eigenen Wege zu gehen. Er trifft seine Entscheidungen und erfährt welche Konsequenzen das hat.

Ich hingegen muss lernen, ihm zu vertrauen und ihn seine Erfahrungen und Fehler machen zu lassen. Ich bin da wenn er mich braucht und traue es ihm zu, dass er mich manchmal nicht mehr braucht. Es ist ein Prozess bei uns Eltern und wir alle werden daran wachsen.

kind_loslassen
Das Kind beginnt seine eigenen Wege einzuschlagen…

Ich lasse los!

Zum Glück – könnte man fast sagen – haben wir drei Kinder, denn manchmal bin ich mit allen Dreien so gefordert, dass ich es schlichtweg nicht schaffe, meine perfektionistischen Ansprüche umzusetzen.

Da kommt es vor, dass mein Sohn im Winter ohne Mütze in den Wald geht, oder dass die Kinder „die Sendung mit der Maus“ schauen dürfen, damit ich in Ruhe etwas erledigen kann. Dank meinem Perfektionismus früher undenkbar, ist es heute Alltag. Am Ende des Tages sollen alle Bedürfnisse einigermassen befriedigt sein, auch meine – da muss auch mal ein Kompromiss her.

Aber auch die Kinder entscheiden immer mehr selber, worauf ich keinen Einfluss habe. Mein Sohn sagt in der Schule, er habe keinen Hunger, damit er das vermeintlich ungeniessbare Essen garnicht erst probieren muss? Was soll ich dagegen machen? Nichts. Er wird dieses Verhalten vermutlich nicht ewig so weiterführen, sondern seine Erfahrungen machen und daraus lernen.

Ich bin kein Profi im Loslassen. Aber ich übe mich darin. Immer wieder. So wird also das Thema Loslassen mich im neuen Jahr in sehr vielfältiger Weise beschäftigen.

  • Ich lasse los, was die Zukunft von diesem Blog betrifft und mache das, was mir gerade Freude macht.
  • Du magst keinen Kommentar hier lassen? Ok, auch das lasse ich los!
  • Ihr findet Rechtschreibfehler in meinen Texten? Grüsst sie lieb von mir 🙂
  • Ich lasse immer mehr los und vertraue in mein Kind und nicht zu vergessen, auch in unsere Schule.
  • Ich lasse meinen Perfektionismus in vielen Bereichen los, einmal mehr. Im Wissen: Weniger ist oft mehr.
  • Ich lasse vertraute Gewohnheiten los und bin offen für Veränderung. Zum Beispiel was unsere Essregeln zu Hause betrifft, die wir aktuell verändern.
  • Ich lasse immer wieder aufs Neue die Vorstellung los, wie etwas in meinen Augen zu sein hat und lasse mich vom Neuen überraschen.

unterschrift_svea_wolkenfrei

Hat dir dieser Text gefallen? Abonniere meinen Blog um alle Artikel per Mail zu erhalten. Du kannst mir auch auf Facebook folgen. Like, kommentiere und teile gerne meine Artikel, du verhilfst mir somit zu mehr Sichtbarkeit. Vielen Dank!

Weiterführende Links

Ein interessanter Blogartikel von „Eine ganz normale Mama“ zum Thema: Weniger ist mehr, findet ihr hier.

Bildquellen:

http://www.unsplash.com

http://www.pixabay.com

 

Published by

6 Antworten auf „Warum ich jetzt loslasse!

  1. Ah, hier ist es doch noch, das Feld um einen Kommentar zu schreiben, musste ganz weit weit nach unten scrollen. Wenn es gleich anschliessend an den Artikel folgte würden eventuell auch noch einige Leserinnen mehr ihren Kommentar rein schreiben? Vielleicht würde aber auch schon der Hinweis genügen: „Das Feld für deinen geschätzten Kommentar befindet sich gleich hier, weiter unten“

    Wieso lese ich den Blog von Svea regelmässig? Tja, das Thema Freie Schule interessiert mich, die Texte lassen sich flüssig lesen, sind interessant geschrieben und anschaulich formuliert, und sogar mit einer Prise Humor! Die Erfahrungsberichte halte ich für ungeschminkt und gut reflektiert, auch selbstreflektiert, offen authentisch! Das spricht mich an.

    Danke liebe Svea fürs „dich mit-teilen“. … auch für Deine Inspirationen zum Thema „Loslassen“. Wir sehen vieles ähnlich! Liebe Grüsse, Gantu

    Gefällt mir

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Den Hinweis bezüglich dem Kommentarfeld nehme ich gerne auf und prüfe mal, ob ich das ändern kann. Ich glaube vor allem auf dem Handy wird es so angezeigt, dass das Kommentarfeld so weit unten ist.

      Gefällt mir

  2. Hallo und danke für diesen Post. Loslassen… etwas, was ich noch ein bisschen besser lernen muss.

    Ich lese noch nicht lange hier mit. Mag deine erfrischende Art, wie du schreibst. Eure Schule, bzw. was du darüber schreibst, finde ich, klingt spannend, ansatzweise etwas für uns, in anderen Punkten widerum nicht so. Da picke ich mir gerne ein paar Ideen raus und lese einfach gerne mit.

    Was die Essensregeln angeht, da würde ich mich freuen, wenn du darüber demnächst mal schreibst. Diesbezüglich bin ich langsam am Ende mit meinem Latein und es ist immer gut zu hören/lesen, wie das bei anderen so funktioniert (oder auch nicht funktioniert). 😉

    Ich bin weiterhin dabei und freue mich, mitzulesen. Ah, und was das Kommentieren angeht: viele (ich inklusive) haben wohl einfach zu wenig Zeit. Ich selber geniesse es, Blogartikel zu lesen, aber oft ist schon dazu die Zeit zu knapp, Kommentar!? Ja dazu reichts einfach nicht mehr… heute hab ich gerade etwas Zeit gehabt und kommentiert, das kommt ca. 1-2x im Jahr vor bei mir.

    Auf bald!! Ich freue mich, wieder von dir zu lesen. E liebe Gruess

    Gefällt 1 Person

    1. wow, da fühle ich mich ja gerade etwas geehrt, dass du mir einen deiner seltenen Kommentare geschrieben hast 😉 Ich freue mich echt zu erfahren, was euch so interessiert. Und ja, ich schreibe gerne mal über unseren Versuch mit den Essregeln. Ich will aber zuerst mal noch unsere Probephase abwarten, dann kommt sicher dazu ein Artikel. Vielen Dank für deine Komplimente und Inputs!!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s