Familienbett zu fünft – Wie es dazu kam.

Wir schlafen im Familienbett. Zu fünft. Und wir geniessen es. Fast immer. Ab und zu auch nicht, aber anders zu schlafen wäre für uns komplett undenkbar! Es ist einfach zu „gäbig“ und fühlt sich richtig an. 

Das Familienbett ist umstritten und sicher stellen wir zum jetzigen Zeitpunkt in unseren Breitengraden noch eine Minderheit dar. (Wie mit unserer Schulwahl übrigens auch.) In vielen Völkern ist das Co-Sleeping jedoch Standard. Auch bei uns in der westlich industrialisierten Welt sind Familienbetten wieder im Kommen, da unter Anderem immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse über die positiven Auswirkungen des Co-Sleeping auf die Entwicklung unserer Kinder erbracht werden. 

Ich erkläre euch, wieso wir uns für diese Form des Schlafens entschieden haben, welche Vor- und Nachteile das hat und beantworte Fragen, die sich Jeder beim Wort „Familienbett“ sofort stellt: „Weckt ihr euch nicht ständig gegenseitig auf? Hast du nicht Angst das Baby im Schlaf zu erdrücken? Habt ihr überhaupt noch Sex?“ …

Geborgenheit

Wir alle wollen das Beste für unsere Kinder, doch wie so oft weiss Niemand mit Sicherheit, was wirklich das Beste ist.  Einige Studien bestätigen dies, andere das Gegenteil. In meiner ersten Schwangerschaft verbrachte ich Stunden mit Recherchen über alle möglichen Babythemen. Beim Thema Kinderbett war für mich aber intuitiv klar, dass ich unser Baby nicht in ein einsames Bettchen legen werde. Es fühlte sich total falsch an. Schliesslich wächst mein Kind neun Monate lang in mir, es spürt meinen Herzschlag, hört die Geräusche meines Körpers und fühlt die Enge und Geborgenheit… und plötzlich, soll es sich wohl fühlen, wenn es ganz alleine ist? Keine Geräusche, keine Wärme, kein Körperkontakt…? Für mich unvorstellbar und zum Glück waren wir uns als Eltern in diesem Punkt einig. Trotzdem las ich viel darüber, was es bei einem Familienbett in Punkto Sicherheit zu beachten gibt und fühlte mich anschliessend bestärkt darin, unser Baby in unserem Bett schlafen zu lassen.

Im Geburtshaus

Unser erstes Kind ist im Geburtshaus auf die Welt gekommen. Bereits dort schlief mein Sohn mit uns im 1.80 Meter breiten Bett. Für mich war das wichtig und es war einfach stimmig so. Erschöpft von der Geburt, konnten wir beide bei unserem Neugeborenen sein, es bestaunen, kennenlernen und eine tiefe Bindung aufbauen. (Stichwort: Bonding)

Zu Hause

Wir hatten schon vor der Geburt unsere Matratze auf den Boden gelegt und eine 90 cm breite Matratze neben unser Ehebett geschoben. Das war einfach, zweckmässig und hat fürs Erste gereicht. Mit der Zeit wurde das Bett mit jeder Geburt an die neue Familiensituation angepasst. Es wurde breiter, das Schlafzimmer musste in einen grösseren Raum verlegt werden und unsere Ansprüche an Komfort sind gestiegen.

Unser Familienbett

Zur Zeit schlafen wir nun also zu fünft auf einem 4,1 Meter breiten Bett das von Wand zu Wand reicht. Es besteht aus einer 1.40-er, einer 1.80-er und einer 0.9 Meter breiten Matratze. Damit das ganze Bett gleich hoch ist, kauften wir drei identische Matratzen und mein Mann zimmerte selber einen Bettrahmen, so dass zwischen den Matratzen keine Spälte sind. Die beiden grösseren Brüder teilen sich die 1.40 Meter breite Matratze und jeder hat seine eigene Decke und ein Kissen. Im Ehebett in der Mitte sind wir Eltern und auf der anderen Seite an der Wand hat unser Baby seine Matratze.

skizze_familienbett_1

Für uns der richtige Weg.

Nach der Geburt meines ersten Kindes war ich ständig besorgt, dass diesem kleinen, zerbrechlichen Leben nachts etwas zustossen könnte. Insbesondere der plötzliche Kindstod war meine Horrorvorstellung. Ich wollte meinen Sohn beschützen, immer da sein für ihn und ja, auch ich brauchte seine Nähe. Oft wurde ich kurz wach, streckte meine Hand aus und befühlte die Wärme seines Nacken und seiner kleinen Händchen. Dann war ich wieder beruhigt und schlief sogleich wieder ein. Ich musste dafür ja nicht einmal aufstehen.

Auch das Stillen klappte im Familienbett super. Nachdem sich die anfänglichen Stillprobleme etwas eingespielt hatten, stillte ich meinen Sohn liegend im Halbschlaf und war dadurch meist relativ ausgeschlafen.

Musste ich mein Kind ausnahmsweise nachts mal wickeln, habe ich selbst das noch im Bett gemacht. Es gab (mit allen drei Babys) nur eine Handvoll Nächte, in denen ich aufstehen musste weil das Kind unzufrieden war. Auch das Zahnen und verschiedene Krankheiten überstanden wir jeweils mit viel Kuscheln im Familienbett.

Ich hatte eine kleine Lampe die bewusst nur gerade soviel Licht machte, wie nötig. Auch wenn das Baby nachts mal wach wurde, blieb es im Schlafzimmer dunkel. Durch den Körperkontakt und das gedämpfte Licht, fand es schnell wieder in den Schlaf.

Mein Mann gewöhnte sich unglaublich gut daran, trotz allen möglichen Geräuschen und dem Licht tief und fest zu schlafen. Während ich unseren Sohn noch regelmässig nachts stillte, war er überzeugt, dass er bereits durchschlafe!

Mein Sohn wurde grösser, aber wir dachten nie: „Jetzt ist es Zeit, ihn an ein eigenes Bett zu gewöhnen“. Im Gegenteil: Es war schön, es war praktisch, alle waren zufrieden und bekamen genug Schlaf. Logisch, dass auch seine jüngeren Geschwister nach und nach in unser Familienbett einzogen.

Familienbett zu fünft!  Wie läuft das konkret?

familienbett_zu_fuenft_beispiel

Bis heute schlafen wir alle bestens so und keiner hat bisher den Wunsch geäussert, alleine schlafen zu wollen. Aber wie läuft das mit drei Kindern konkret?

Das ins Bett bringen.

Die drei Kinder (7, 3 und 1J.) gehen alle gleichzeitig ins Bett und schlafen in der Regel fünf Minuten nach der Gutenachtgeschichte friedlich ein. Jemand von uns Eltern liegt dazu und wartet bis alle schlafen. (Natürlich gibt es immer Mal eine Ausnahme, ihr kennt das!) Aber auch wenn Jemand mal nicht sofort in den Schlaf findet, hindert das die anderen Kinder keineswegs am Einschlafen.

Ein heilsamer Moment.

Wenn ich alleine mit den Kindern bin, stille ich erst meine Tochter in den Schlaf und rutsche nachher rüber zwischen meine beiden Söhne und beide schlafen in meinem Arm ein. Häufig ist das einer der schönsten Momente meines Tages. Vielleicht kennt ihr das auch? Bei meinen selig schlafenden Kindern spüre ich die Liebe für sie oft am intensivsten. Da kann der Tag noch so stressig, oder die Stimmung noch so schlecht gewesen sein. In diesem Moment, wenn alle schlafen, geniesse ich es umso mehr, kurz inne zu halten. Ich höre ihren ruhigen Atem, fahre ihnen übers Haar, decke sie nochmals zu und werde nicht selten überwältigt von meinen tiefen Gefühlen für sie. Alle drei friedlich schlafenden Kinder in einem Bett zu sehen finde ich einfach umwerfend!

Weckt ihr euch gegenseitig auf?

Die Geschwister lassen sich selten voneinander wecken. Insbesondere die beiden Brüder welche nebeneinander liegen, schlafen nicht selten mit einem Arm des Bruders im Gesicht oder liegen plötzlich verkehrt herum im Bett. Es gab aber auch schon Nächte, wo wir zum Beispiel wegen einer Magen-Darm-Grippe Vollbeleuchtung im Schlafzimmer machen mussten und selbst da wachen die anderen Kinder wenn überhaupt nur kurz auf und schlafen dann wieder weiter.

Schlaft ihr gut?

Ja! Wie wir alle, schätze auch ich einen ungestörten Schlaf! Ich brauche dafür Ruhe, ein Gefühl von Sicherheit und genügend Platz. Weil unser Bett so goss ist, ist das mit dem Platz auch zu fünft kein Problem. Rollt mal ein Kind in meinen Arm, finde ich dies meistens schön. Sobald es wieder schläft, stosse ich es ein wenig zur Seite und habe somit wieder genügend Platz.

Ich finde es beruhigend alle Kinder nachts bei uns zu haben. Ich höre, wenn ein Kind etwas braucht und weil ich sehr selten aufstehen muss, bekomme ich trotzdem genügend Schlaf.

Neugeborene übrigens brauchen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit natürlich ebenso um gut schlafen zu können. Sie können ja noch nicht laufen und es fühlt sich für sie lebensbedrohlich an, alleine zu sein. Werden sie nach der Geburt direkt in ein separates Bettchen gelegt, fehlt Ihnen all diese Sicherheit und Geborgenheit. Sie fühlen sich alleine und haben Angst. Im Familienbett hingegen fühlen sie sich sicher und können meist schnell beruhigt werden, bevor sie ganz wach werden. Sie entwickeln ein Urvertrauen, dass sie nachts nicht verlassen werden und ihre Bezugspersonen verlässlich für sie da sind.

Hast du nicht Angst, dein Baby im Schlaf zu überrollen oder ihm die Decke übers Gesicht zu ziehen?

Wir Mütter entwickeln ein ausgesprochen gutes Gespür für unsere Kinder. Wenn mein Mann spät in der Nacht nach Hause kommt, dann höre ich das manchmal nicht, aber jedes noch so winzige Geräusch meines Babys registriere ich sofort. Meine Tochter ist schon über ein Jahr alt und sehr agil. Sie würde sich sowieso bemerkbar machen, wenn etwas nicht gut wäre. Als die Babys noch ganz klein waren, war ich immer etwas vorsichtiger. Aber auch hier hab ich stets auf meine Intuition vertraut und obwohl dies offiziell nicht empfohlen wird, hab ich meine Tochter zwischen meinem Mann und mir schlafen lassen, wenn ich sie auf dieser Seite gestillt hatte und sie dort einschlief. Manchmal legte ich sie aber auch wieder zurück auf ihre eigene Matratze. Je nach dem, wie es sich gerade richtig angefühlt hat. Generell schlafen Väter tiefer als Mütter und stellen somit eher eine Gefahr dar. Mein Mann ist sich allerdings bewusst wenn ein Baby neben ihm liegt und es war nie ein Problem.

Der Morgen.

Ja es gibt sie beide. Die Morgen wo wir zu fünft ausschlafen und dann friedlich, zusammen kuschelnd und entspannt in den Tag starten, als auch die Morgen wo die Brüder streitend aufwachen oder eine Kissenschlacht veranstalten und ich sie schlecht gelaunt aus dem Schlafzimmer verjage!

Auch bei uns ist nicht immer alles rosarot! Klar!

Oft kommt einer der Söhne nach dem Aufwachen noch kurz zum kuscheln zu mir oder die Brüder besprechen im Bett, was sie spielen wollen und ziehen dann gemeinsam voller Tatendrang los.

Was ist wenn der Wecker klingelt?

Bis jetzt klappt dies problemlos. Die Kinder werden von unserem Wecker nicht wach. Meistens wecken wir unseren Sohn für die Schule während die anderen zwei Kinder noch im Bett bleiben und weiter schlafen.

Habt ihr überhaupt noch Sex?

Eine sehr beliebte Frage die sich im Zusammenhang mit dem Familienbett tatsächlich oft stellt. Weil wir drei Kinder haben und bereits seit Kind Nummer eins im Familienbett schlafen, lässt sich die Frage mit einem klaren Ja beantworten! Was den Ort und die Zeit  angeht, ist halt etwas Kreativität gefragt!

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Nachteile

Ferien.

Wenn die Kinder sich an ein Familienbett gewohnt sind, können sie in den Ferien unter Umständen nicht einfach in einem normalen Bett schlafen. Wir haben aber schon oft kreative Lösungen für dieses Problem gefunden und Schlafsofas ans Hotelbett gerückt oder ein Bett neben ein Hochbett geschoben und so weiter. Mit einem Kind war es noch total unproblematisch weil dieses im Hotelbett problemlos Platz hatte. Ab zwei Kindern war für uns die Bettensituation jedoch bei der Unterkunftssuche schon ein relevanter Punkt. Camping ist bis heute für uns super, weil hier ein Massenlager kein Problem darstellt. Mittlerweile können aber unsere Söhne in den Ferien auch gut in einem Hochbett oder in einem anderen Zimmer schlafen, wenn es mal sein muss.

Geschwisterstreit.

Nervt. Ja! Er nervt auch im Familienbett. Manchmal lesen sich die Brüder gegenseitig Geschichten vor oder kümmern sich hinreissend um ihre jüngere Schwester. Aber manchmal streiten sie sich auch im Familienbett. Wenn ein Fuss sich ein Millimeter zu weit im falschen Revier befindet, kann dies Anlass zu lautstarkem Protest gefolgt von einer Schlägerei werden. Das liesse sich natürlich vermeiden, wenn jeder in seinem eigenen Bett, in seinem eigenen Zimmer schlafen würde. Die Vorteile des Familienbettes überwiegen aus unserer Sicht aber bei Weitem im Vergleich zu den gelegentlichen Streitereien.

Zweisamkeit.

Ja klar freuen wir Eltern uns auch darauf, dass wir unser Bett dann mal wieder ganz für uns alleine haben werden. Aber dieser Moment wird früh genug kommen und bis dahin geniessen wir unser Familienbett. Wir möchten es nicht anders. Schliesslich hat alles seine Zeit. Und so oft hören wir den Satz: „Geniesst eure Kinder wenn sie noch so klein sind, die Zeit geht viel zu schnell vorbei.“

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Manchmal ist sogar Batman bei uns im Familienbett.

Tipps zum Schlafen im Familienbett

Für den Blog von Miss Broccoli  schrieb ich einen Gastartikel zum Thema: „Familienbett zu fünft – Meine Tipps“. Ihr könnt den Artikel hier lesen. Ich gebe darin meine besten Tipps aus sieben Jahren Familienbetterfahrung weiter und beschreibe zudem wichtige Sicherheitsregeln für das Co-Sleeping.

Wirst du mit deinem Baby auch im Familienbett schlafen? Hast du noch Fragen zum Thema Co-Sleeping? Wie schlaft ihr so? Ich freue mich über eure Kommentare.

7B92BAB5-582B-4AFE-B630-93586F9F7DC7Weiterführende Links:

Auf der Seite familienbetten.net findet ihr eine schöne Sammlung wissenschaftlicher Erkenntnisse, wieso Babys nicht alleine Schlafen sollten, sowie ganz viel Inspiration wie auch du zu deinem Familienbett kommst.

Auf geborgen-wachsen.de findet ihr einen tollen Artikel über Ammenmärchen über das Familienbett, sowie viele weitere Artikel zum Thema Familienbett.

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