Was das Bloggen aus mir macht. Kritische Hinterfragung meiner neuen Rolle.

Wie verändert mich das bloggen?

Ich schreibe einen Freilerner- und Familienblog und tue dies neben meiner Arbeit als Vollzeitmum mit drei kleinen Kindern. Werde ich nun eine bessere Mama durch meinen Blog oder gar eine Schlechtere? Mein Blog ist knapp zwei Monate alt und schon drängt sich mir diese Frage auf.

Gut, der Blog ist zwar seit knapp zwei Monaten online aber die Arbeit daran hat bereits Monate davor begonnen. WordPress kennenlernen, Artikel schreiben, Internetseite einrichten, (gefühlte 1000 Mal irgendwo Änderungen vornehmen, weil ein Detail nicht so angezeigt wird, wie es sollte), Facebook-Seite einrichten, Fotos erstellen und bearbeiten, ein Logo kreieren, neue App zur Bildbearbeitung kennenlernen, mich mit Themen wie SEO, Keywords, Tags ect. befassen … Es nimmt kein Ende. Seit Monaten beschäftige ich mich in meiner Freizeit (das heisst sobald die Kinder schlafen bis mitten in der Nacht – manchmal bis frühmorgens) in irgend einer Form mit dem Blog. Hallo chronischer Schlafmangel!

Ich will mich nicht beschweren. Ich mache das alles freiwillig und das Meiste daran macht mir viel Spass. Ich kann endlich schreiben! Ich kann den Blog so gestalten wie ich es möchte (naja, zumindest im Rahmen den mein Theme mir vorgibt) und habe Freude an der schönen Startseite, welche meine Bilder so toll in Szene setzt! Es geht ein grosser Wunsch von mir in Erfüllung, dass ich eine Plattform gefunden habe, wo ich schreiben kann, denn dabei komme ich regelmässig in den Flow.

Flow (englisch „Fließen, Rinnen, Strömen“) bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie von selbst vor sich geht.

Quelle: de.wikipedia.org

 

Ich habe den Begriff „Flow“ erstmals im Geburtsvorbereitungskurs gehört, wo ich mit viel mentaler Übung und Aufwand versucht habe, in diesen Zustand zu kommen, um während der Geburt entspannt zu bleiben. (Nach nun drei natürlichen Geburten im Geburtshaus könnte man vielleicht sagen, dass ich es jetzt kann, aber es war wie gesagt viel Aufwand und Vorbereitung während der Schwangerschaften dafür nötig.)

Hier beim Schreiben passiert es allerdings ganz von selbst. Die Zeit vergeht wie im Flug und einige Male ertappte ich mich sogar beim Sekundenschlaf vor dem Laptop, weil ich diese Zeit bei der ich mich verwirklichen kann, voll ausschöpfen will.

Zu den nächtlichen Schreibzeiten kommt aber auch noch die Zeit tagsüber hinzu, wo ich immer mal wieder „kurz“ irgend etwas checke. Neue Kommentare, Anfragen, die WordPress-Statistik, Facebook…

Das wirkt sich schon irgendwie auf mein Familienleben aus.

Kennt ihr das? Man ist zwar körperlich anwesend bei den Kindern, aber geistig irgendwo total anders. Das ist nicht gerade das, was ich als optimal bezeichnen würde. Eher sehr suboptimal! Und wenn ich die letzte Zeit gedanklich Revue passieren lasse, stelle ich fest, dass die zwei älteren Kinder oft Streit untereinander bekommen haben. Das mag einerseits vielleicht an einer Phase der Kinder liegen, andererseits bin ich mir sicher, dass es auch am Umstand liegt, dass ich nicht richtig präsent war.

Auf der anderen Seite habe ich in letzter Zeit so viel gelesen wie davor schon lange nicht mehr. Auf der Suche nach einem Zitat beispielsweise, lese ich oft ganze Interviews von André Stern oder Gerald Hüther durch. Auch habe ich viele Blogs durchstöbert. Viele davon sind interessant und regen ebenfalls zum Nachdenken an. Das alles inspiriert mich, im Alltag mit den Kindern Neues auszuprobieren. Im Kontakt achtsamer zu sein. Mehr auf die Kinder einzugehen. Einige Artikel halfen mir, mich besser in meine Kinder hineinversetzen zu können und mit alten Mustern zu brechen.

Ich führte deshalb mit meinem Mann in letzter Zeit einige Gespräche über unsere Erziehungsmethoden.

Streit-unter-Brüdern-Was-das-bloggen-aus-mir-macht
Streit unter Brüdern kommt immer wieder vor.

Zum Beispiel, wenn sich ein Streit unter den Brüdern langsam aufwiegelt bis die Situation eskaliert und sie sich gegenseitig schlagen. Teilweise schickten wir Eltern dann mangels schlauer Alternativen jeweils einen der Beiden ins Zimmer, bis sie sich wieder beruhigt hatten. Oft geschah dies auf Grund eher willkürlichen, einzelnen Beobachtungen von uns und ohne dass wir die Situation genau erfasst hätten, wer jetzt ganz genau wann, was gemacht hatte. Verständlicherweise, dass dies dann jeweils unter lautem Protest stattfand und weder bei den Kindern noch bei uns zu guten Gefühlen beitrug. Es war eher eine Kurzschlussreaktion, der Ausdruck von Überforderung und ein nicht weiter wissen unsererseits, wenn unsere Schlichtungsversuche fehl schlugen…

Für das Kind, dass ins Zimmer geschickt wurde, ist es kein schönes Gefühl, sich schuldig zu fühlen, denn wie ich hier beschrieben habe, sind dabei im Gehirn die gleichen Areale aktiv, wie bei körperlichem Schmerz. Zudem würden wir eine erwachsene Person, einen Freund oder unseren Partner ja auch nicht ins Zimmer schicken, nur weil er sich unmöglich aufführt, oder? Wieso also unsere Kinder? Dürfen wir sie so behandeln, oder sollten wir sie nicht eher wie kleine Erwachsene behandeln? Diese Fragen stellten sich mir, nach einem gelesenen Interview mit André Stern und sie inspirierten mich, etwas Neues auszuprobieren.

André Stern antwortete dort auf folgende Frage:

Es gibt also Grenzen des Spielens?

Ich würde nicht sagen Grenzen, aber Orientierungen. Eine Grenze ist Machtausübung, eine Orientierung kann ein Anhaltspunkt fürs Zusammenleben sein. Das ist eine andere Haltung. Es gibt keine Rechtfertigung dafür, wenn man mit einem Kind anders umgeht und kommuniziert, als mit dem eigenen Partner – zum Beispiel, wenn es nicht sauber isst. Sie sagen Ihrer Partnerin auch nicht: Iss sauber, sonst gehst du auf dein Zimmer! Wenn Sie es Ihrer Partnerin nicht sagen, gibt es keinen Grund, dass Sie es Ihrem Kind sagen sollten.

Quelle: https://tageswoche.ch/form/interview/warum-schicken-sie-ihre-kinder-nicht-die-schule-herr-stern/

 

Was-das-bloggen-aus-mir-macht-1

 

Wir überlegten also gemeinsam mit den Kindern, wie wir das künftig anders machen könnten. Wenn sie nämlich auf Augenhöhe miteinbezogen werden, machen Kinder oft erstaunlich gut mit, denn sie sind ja ebenso daran interessiert, dass es zu Hause harmonisch zu und her geht. Wir trafen folgende Abmachung:

Wenn jemand merkt, dass die Situation zu eskalieren droht, sagt derjenige das Codewort (Vorschlag vom Sohn: „Timeout-Stop“) und alle setzen sich zusammen und klären mit Worten (!) statt mit Prügel (die Geschwister untereinander) das Problem. Jeder sagt, weshalb er sich aufregt und alle können ihre Sicht der Dinge darlegen. Gemeinsam wird dann eine Lösung gesucht. Wichtig für uns ist, das ein Elternteil zumindest dazu sitzt, denn die Kinder sind noch zu klein, um dies selbständig zu machen. Das hat bis jetzt super funktioniert und zumindest einige drohende Eskalationen konnten so abgewendet werden. Ich finde es zudem sinnvoll, dass meine Kinder lernen, wie man Ärger mit Worten ausdrücken kann und dass man einen Streit so klären kann. Als Eltern spüren wir zudem so auch besser, welches Kind gerade was braucht. Eine kleine Veränderung mit grossen Folgen.

 

Gute-Mutter-Was-das-bloggen-aus-mir-macht

 

Insofern macht das bloggen also aus mir eine bessere Mutter, weil ich neue Inputs bekomme, die mich zum Optimieren anregen und mich motivieren. Zudem macht es mich glücklich weil ich durch das bloggen eine lange unerfüllte Sehnsucht stillen kann – die des Schreibens. Und wenn ich glücklich bin, profitiert auch der Rest der Familie letztlich davon.

Andererseits macht es mich aber auch zu einer schlechteren Mutter, weil ich im Alltag mit den Kindern oft abgelenkt bin und einiges Anders liegen bleibt. 

(Ich bin mir bewusst, dass die Begriffe „besser“ oder „schlechter“ subjektiv sind. Ich beschreibe hier, wie es sich für mich persönlich mit meinen eigenen Ansprüchen an meine Mutterrolle anfühlt. Jeder definiert dies für sich anders und so etwas wie eine „gute“ oder „schlechte“ Mutter gibt es sowieso nicht. Wir sind alle ein Bisschen von beidem.)

Ich jedenfalls will so nicht mehr weiterfahren.

Es ist anstrengend, ständig das Gefühl zu haben, noch etwas für den Blog tun zu „müssen“. Es braucht viel Zeit, mich in alle diese neuen Themen einzulesen. Diese Zeit habe ich schlichtweg nicht und meine Priorität liegt hier klar bei einem (halbwegs) harmonischen Familienleben. Damit meine ich, dass ich wieder mehr Zeit damit verbringen möchte, mit meinen Kindern etwas zu unternehmen und präsente Zeit zu verbringen, wo ich nicht ständig in Gedanken irgendwo anders bin. Meine erfolgreiche Bloggerkarriere muss also wohl noch etwas warten.

Trotzdem ist mir klar: Ich will weiterhin schreiben. Unbedingt! Was mich jedoch stresst, ist alles was zum bloggen sonst noch dazugehört. Als Neuling habe ich mich natürlich durch alle möglichen Blogartikel von erfolgreichen Bloggern gelesen zu Themen wie: „Wie erhalte ich mehr Leser?“, „10 ultimative Schritte zum erfolgreichen Bloggen!“ oder „Was muss ich tun, um von den Suchmaschinen wie zB. Google gefunden zu werden?“ und so weiter. Ich muss zugeben: manches davon überfordert mich masslos! Keywords zum Beispiel: Es fängt schon bei den kleinen Dingen an. Was zum Teufel sind denn meine Keywords?!

Ein Keyword, auch SuchbegriffSchlagwortSchlüsselwort, oder Stichwort, bezeichnet allgemein einen Eingegebenen Begriff in der Suchmaske einer Suchmaschine. Dieses Keyword wird daraufhin von den Suchmaschinen durch ihre Suchalgorithmen behandelt und mit dem jeweiligen Index abgeglichen. Daraufhin bekommt der Nutzer eine Suchergebnisseite (SERP), die Ergebnisse zu diesem Keyword auflistet. Für die Suchmaschinenoptimierung und das Online-Marketing spielen Keywords eine elementare Rolle.

Quelle: https://www.seo-kueche.de/lexikon/keyword/

 

 

 

Alles klar: Irgendwelche Begriffe, nach denen Leute bei Google suchen, und dann im optimalen Fall auf meinen Blog treffen. Klingt simpel, ist es aber nicht. „Freilernen“ vielleicht? Wobei, ich wurde ja kürzlich in einer Facebook-Freilernergruppe belehrt, dass wir keine richtigen Freilerner seien, weil meine Kinder nur in eine freie Schule gehen. Na gut, dann vielleicht, „freie Schule“? Hmm.. die gleiche Facebookgruppe wieder: „Es gibt so viele verschiedene freie Schulen. Das alleine sagt noch nichts über das Schulkonzept aus und ob dort wirklich frei gelernt werden darf.“ Na gut, dann vielleicht „freie Alternativschule“ oder „Privatschule“ oder „demokratische Schule“?

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Ich weiss nur, dass diese Keywords offenbar extrem wichtig sind.

Hätte ich dann mal diese Keywords herausgefunden, gäbe es noch Tausend andere Dinge „zu erledigen“, um schon nur von den Suchmaschinen gefunden zu werden. Dann muss ich sowieso erst einmal meine Leserschaft finden, wenn ich nicht darauf warten will, dass sie mich von selbst findet. (Und sie können mich ja nicht finden, weil Google mich nicht findet, weil ich meine Keywords nicht weiss!)

Und da wäre auch noch diese Sache mit dem Hashtag! Ich musste erst einmal googeln wo auf der Tastatur denn dieses # -Zeichen überhaupt ist! (Apple Tastatur: alt -3 drücken.) Obwohl ich dieses Problem nun gelöst habe, weiss ich noch immer nicht, ob und wie ich diesen Hashtag nun verwenden sollte. #habkeineahnung?

Kurz: Wer professionell bloggt, investiert viel Zeit in sein Business. Da ist das Schreiben der Artikel beinahe der kleinste Aufwand. In all das habe ich jetzt so zu sagen ein Bisschen „hineingeschnuppert“. Ich bin ja weit weg davon, professionell zu sein. Ich ahne aber, dass es in meiner aktuellen Situation, mit drei kleinen Kindern und meinen Ansprüchen an meine Mutterrolle, so nicht zu vereinen sein wird. Jedenfalls nicht so professionell wie ich es gerne hätte.

 

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Ich verordne mir daher einen vorläufigen Zeitraum bis Ende Jahr, in dem ich einfach gemütlich schreiben werde, ohne irgendwelche Ambitionen, mehr Klicks, Follower, Likes oder was auch immer zu erhalten. Vielleicht weiss ich ja bis dahin dann, worüber ich eigentlich schreibe und was meine dazu passenden Keywords sind!

Ich lasse also meinen Perfektionismus Perfektionismus sein, übe mich in Geduld und akzeptiere das „Noch-nicht-perfekt-sein“ meines Blogs.

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4 Antworten auf „Was das Bloggen aus mir macht. Kritische Hinterfragung meiner neuen Rolle.

  1. Ach, aller Anfang ist schwer, oder? Und wenn es dein Hobby bleibt – wie bei mir, wo es sogar darüber hinaus geht – wird es das Familienleben tangieren. Da musst du dich gut organisieren.
    Tipp #1: lass dich nie von anderen Bloggern stressen, mach Schritt um Schritt!

    Halte durch, hab Freude, dann kommt es gut 🙂

    liebe Grüsse
    moana

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo!
    Ich bin gerade zufällig auf deinen Blog gestossen.
    Muss immer wieder etwas schmunzeln weil ich einige Parallelen zu mir lese.
    Bin auch Mama von drei süssen Kindern und ähnlich denkend.
    Aus Zeitgründen habe ich es bisher nicht geschafft einen Blog zu starten.
    Dein Blog ist gut geworden.
    Liebe Grüsse Sabrina

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Sabrina. Vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, wenn meine Texte dir gefallen! Ja, der Blog nimmt extrem viel Zeit in Anspruch, aber es macht eben auch Spass. Ich versuche immer noch eine gute Balance zwischen Familie und Blog hin zu bekommen. Gelingt mal mehr und mal weniger… Ich freue mich wenn du mal wieder vorbei schaust, oder mich abonnierst 🙂 Herzlich Svea

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