Wie du mit einer kleinen Veränderung in der Kommunikation, dein Kind glücklicher und selbstsicherer machst.

„Du nervst mich heute schon den ganzen Morgen!“

Habt ihr das auch schon zu euren Kindern gesagt? Schnell kann es passieren, dass im Eifer der Gefechtes, solche Sätze fallen. Wenn das Kind gerade eine „Phase“ hat oder die Mama einen schlechten Tag. Oder beides zusammen. Oder was auch immer. Es gibt 1000 Gründe dafür, dass man mal verbal ausrastet. Wir kennen es alle!

Durch meine berufliche Erfahrung in der Psychiatrie und der systemischen Therapie weiss ich, dass es oft genau solche Sätze sind, die ein Leben lang unsere Meinung über uns selber und sogar unser Handeln prägen.

Ich erinnere mich an eine Frau, die seit ihrer Kindheit mit ihren Beinen unglücklich war, weil ihr Grossvater, als sie noch ein Kind war, zu ihr sagte, sie hätte „stämmige“ Beine.

Vermutlich kennen wir alle solche Sätze. Negative innere Glaubenssätze, die wir uns im Laufe unseres Lebens, irgendwie angeeignet haben. Wir glauben über uns, wir würden nicht genügen oder dass wir es nicht verdient hätten, so geliebt zu werden wie wir sind. Wir seien für andere Leute eine Belastung oder wir müssten uns zusammenreißen und dürften keine Gefühle zeigen.

Wie entstehen solche inneren Glaubenssätze?

Oft sind es Sätze, die irgendjemand früher häufig zu uns gesagt hat. Manchmal genügt es aber auch, dass wir etwas nur einmal gehört haben und trotzdem brennt es sich in unser Gedächtnis ein und verbleibt dort ein Leben lang. Es kommt sogar vor, dass wir selber auf den Schluss kommen, dass sich zum Beispiel niemand für uns interessiert, weil wir dies früher oft so empfunden haben. Wir verinnerlichen diese Sätze und sie beeinflussen uns auf vielfältige Weise.

Als Mutter bin ich mir bewusst, welche Verantwortung ich in diesem Punkt für meine Kinder trage. Denn:

C1D3B6C0-F365-4749-B7CE-9DECB562709F

Ein Kind glaubt das, was ihm die Erwachsenen sagen.

Egal ob es stimmt oder nicht. Wenn ein Kind immer wieder hört: „Du nervst“, dann wird es über sich glauben, dass es nervig ist und sich auch dementsprechend nervig aufführen und sich ungeliebt fühlen.

Wir alle möchten das Beste für unsere Kinder und wir versuchen für sie die tollsten Eltern zu sein, die wir sein können.

Deswegen möchte ich euch eine Technik vorstellen, mit der ihr auf simple Weise vermeidet, euren Kindern Dinge wie: „Du nervst“ oder „Spinnst du?!“ zu sagen. 0E744A20-7F82-4792-848E-B1069F05DC6D

„Kind, nicht DU, sondern dein aktuelles VERHALTEN nervt!“

Ich empfinde es als absolut legitim, seinen Ärger den Kindern gegenüber zu zeigen und auch der Tonfall darf signalisieren: „Ich bin jetzt wütend wegen deinem Verhalten!“ Aber nie sollte das Kind den Eindruck bekommen, dass es von den Eltern als ganze Person abgelehnt wird weil es etwas Unerwünschtes getan hat.

Anstelle von „Du nervst“, sagt man dann halt zum Kind: „DAS nervt.“ Anstatt: „Du bist anstrengend“ sagt ihr dann: „DAS ist anstrengend.“

So ist dem Kind klar, dass das Verhalten unangebracht war und ihr deswegen wütend seid. Das Kind als Person wird jedoch nicht abgelehnt oder abgewertet.

„Mama ist wütend, weil ich meinen Bruder gehauen habe. Sie hat mich aber trotzdem gern.“

Ja, das Verhalten von Kindern ist manchmal wirklich nervig! Sie quengeln, sie hauen, sie machen nicht vorwärts wenns pressiert, sie fordern resolut Aufmerksamkeit ein, wenn die Mama telefonieren möchte und sie nerven uns manchmal wirklich einfach den ganzen Morgen lang mit ihrem Verhalten!

Aber trotzdem lieben wir sie!

BB0D5178-5C3A-4680-8AA7-2B07544BEEAD

Wir lieben sie auch wenn sie mal wieder eine ihrer sogenannten „Phasen“ haben und uns gleich an drei Morgen hintereinander mit ihrem Verhalten nerven. Inklusive den Nachmittagen. Und den Nächten.

Dies müssen unsere Kinder wissen und deshalb müssen wir es ihnen immer wieder sagen.

BD34B5AD-B9E1-448B-802A-9831CEF98169

„Kind, ganz egal was du tun wirst, ich werde dich immer lieben!“

Sie hypnotisieren ihre Kinder ohnehin jeden Tag. Warum dann nicht bewusst das Richtige vermitteln?

Steve Biddulph in „Das Geheimnis glücklicher Kinder“.

 

Ich selber kenne diese Kommunikationstechnik aus dem Buch „Das Geheimnis glücklicher Kinder“ von Steve Biddulph. Das Buch sollte meiner Meinung nach als Standartwerk für junge Eltern gelten, denn es ist voll mit lustigen Anekdoten und eben auch wichtigen Fakten darüber, was Kinder brauchen um glücklich zu sein. Er beschreibt darin unter Anderem wie wir unsere Kinder tagtäglich mit unseren Aussagen „hypnotisieren“. Sätze wie: “ Du bist vielleicht eine Nervensäge“ oder „Bist du verrückt geworden?“ kommen einem manchmal all zu schnell über die Lippen. Die Kinder verinnerlichen diese Aussagen und das ist es, was Biddulph mit „hypnotisieren“ meint.

Ich persönlich finde es schöner, wenn meine Kinder über sich glauben, dass sie toll sind und dass sie stets geliebt werden, auch wenn sie sich unmöglich aufführen.

3B5A516D-DC88-4F3E-809E-B77C837F6A68Wie das dann aussehen kann, wenn ein Kind konsequent so aufwächst, konnte ich kürzlich bei der Tochter einer Freundin beobachten. Sie erklärte mir in vollem Ernst und in einer Selbstverständlichkeit: „Ich bin im Fall ein mega toller Mensch!“

Was im ersten Moment für mich überheblich wirkte, wurde beim genauen drüber Nachdenken wunderschön. Ihr wurde immer wieder gesagt, dass sie ein toller Mensch ist, so dass sie dies nun ganz selbstverständlich von sich denkt. Und sind wir mal ehrlich: Das ist doch einfach viiiiiel schöner, als über sich zu glauben, dass man halt eine Nervensäge ist!

Gelingt mir das selber immer?

Niemand ist perfekt, auch ich leider nicht. Auch mir passiert es im Streit mit den Kindern, dass ich im Reflex manchmal Dinge tue oder sage, die ich selber später daneben finde und bereue. Doch diese Technik empfinde ich als so simpel, dass ich sie sehr schnell verinnerlichen und umsetzen konnte – und dies auch in hitzigen Situationen! Wenn mir dann doch mal ein “ Du bist so…“ herausrutscht, kann ich mich meistens noch stoppen, bevor das Wort „Nervensäge“ oder sonst etwas in dieser Richtung herausrutscht. Wie gesagt, meistens…!

D39D2086-AACA-47CD-AEA0-009882CEF233Sind wir nun schlechte Eltern, wenn es uns nicht immer gelingt, so zu sein, wie wir es gerne wären?

Ich empfinde es als wichtig, dass wir uns Gedanken darüber machen, weshalb es heute nicht wie gewollt geklappt hat und dass wir uns bei den Kindern auch mal für unsere Fehler entschuldigen. Sie dürfen erfahren, dass auch Mama und Papa normale Menschen mit Gefühlen sind und Gefühle dürfen gelebt werden. Fehler passieren jedem mal.

Es ist jedoch für niemanden förderlich, wenn wir uns selber wie Kinder im Sandkasten aufführen und uns gegenseitig mit Sand bewerfen. Auch ich muss mir immer wieder klar machen, dass ich hier die Erwachsene bin und mich nicht auf die gleiche trotzige Weise wie meine Kinder verhalten darf. Wir sind für unsere Kinder Vorbilder und wir sollten uns verinnerlichen dass wir der vernünftigere Part sein sollten. Gerade wenn unsere Kinder noch klein sind, wirkt es für sie doch sehr bedrohlich, wenn ihre Vertrauenspersonen sie anschreien oder beleidigen.

Wenn ich bei mir selber merke, dass es über Tage nicht gut läuft, dass ich überfordert bin und keine Lösung weiss, dann suche ich mir meistens Rat in einem schlauen Buch (wie zum Beispiel in dem von Biddulph) oder bei einer schlauen Freundin. So komme ich auf neue Ideen um festgefahrene Situationen mit den Kindern wieder zu verändern.

Manchmal braucht es nicht besonders viel und ein kleiner Input genügt. Oft hilft es mir auch, wenn ich mich in meine Kinder hineinversetze und versuche zu verstehen, wieso sie das „schwierige Verhalten“ zeigen. Sie haben nämlich immer einen Grund dafür. Haben sie zu wenig Aufmerksamkeit von uns? Sind sie gelangweilt? Fühlen sie sich abgelehnt?

Dadurch dass ich es dann verstehe, kann sich die Situation oft bereits verändern. Weil ich zum Beispiel einfühlsamer auf ihr Verhalten eingehen kann, oder weil ich ihnen dann bewusst das geben kann, was sie gerade brauchen.

CFF90ACC-07CB-4B21-9E17-F7D39621A5F2Erkenntnisse aus der Hirnforschung

Es ist mittlerweile erwiesen, dass psychischer Schmerz im menschlichen Gehirn die gleichen Areale aktiviert, wie physischer Schmerz. Es ist klar, dass wir unseren Kindern nicht absichtlich körperliche Schmerzen zufügen. Übersetzt heisst das aber, dass es auch nicht wirklich weniger schlimm ist, seine Kinder negativen Gefühlen auszusetzen. Sich schuldig, einsam oder abgewertet fühlen, schmerzt. Es wurde in Studien auch nachgewiesen, dass Liebeskummer tatsächlich körperlich weh tut.

Obwohl mir dies zwar logisch erscheint und gut nachvollziehbar ist, erschreckt mich diese Tatsache zugleich. Durch dieses Wissen bin ich noch mehr aufgefordert, mich immer wieder aufs Neue zu reflektieren und auf das zu besinnen, was mir am wichtigsten ist: Meine Kinder und dass es ihnen gut geht.

unterschrift_svea_wolkenfrei

Hat dir dieser Text gefallen?

-> Abonniere kostenlos meinen Blog und erhalte alle meine neuen Artikel bequem in dein Mailpostfach.

-> Folge mir doch auch auf Facebook oder Pinterest und erfahre was ich sonst noch teile.

-> Like, kommentiere und teile gerne meine Artikel – Du verhilfst mir somit zu mehr Sichtbarkeit. Vielen Dank!

pinterest_kommunikation1
Merke dir den Artikel auf Pinterest.

Published by

Kommentar verfassen